21 Januar 2017

Vielleicht sind manche Leben einfach zum Scheitern verurteilt. Vielleicht soll es einfach nicht so sein, dass manche leben, atmen. Nicht jeder Mensch kann leben, kann ein Leben führen. Ich glaube, ich gehöre zu den Menschen, die körperlich anwesend sind, sich geistig aber sechs Meter unter der Erde befinden. Ich gehöre zu denen, die gar nicht wissen, was sie tun; die es aber einfach tun, weil... sie es halt einfach tun müssen.
Ich kann nicht an die Zukunft denken, ich kann nicht mal an nächste Woche denken. Wenn ich mein ganzes Leben Medikamente nehmen muss, um die Realität und mich selbst zu ertragen, am Leben zu erhalten - dann werde ich mich eines Tages dagegen entscheiden. Denn ich will nicht mein ganzes Leben Medikamente nehmen müssen. Ich will nicht mein ganzes Leben lang in der Illusion leben, in der ich jetzt lebe. Und ich versuche, diese Illusion mit allen erdenklichen Mitteln aufrechtzuerhalten, immer noch. Ich will nicht leben, ich will mich nicht ändern, denn das hieße für mich, dass ich die Vergangenheit für immer zurücklassen muss, als hätte es sie nie gegeben, als hätte man mir nie weh getan, als hätte ich nie gelitten, als hätte es diese Zeit nie gegeben, als wäre es okay, dass all diese Dinge passiert sind, weil ''das Leben halt nicht immer fair ist''. Das kann ich nicht. Ich kann nicht das zurücklassen, was ich jahrelang über mich ergehen lassen musste, das, wovon ich gedacht hätte, ich würde es niemals überleben. Die Vergangenheit hängt an mir und ich hänge an ihr. Wir können uns nicht voneinander trennen. Wenn wir uns voneinander trennen, dann weiß ich gar nicht mehr, was der letzte Rest von mir überhaupt noch darstellen soll. Dann bin ich ein anderer Mensch, wenn ich ''ein neues Leben beginne''. Denn dann weiß ich, dass es okay ist, wenn dein Vater dich jahrelang psychisch quält und manipuliert, dann weiß ich, dass es okay ist, wenn du die ganze Nacht nicht schläfst, weil du aufpassen musst, nicht zu sterben. Dann weiß ich, dass es okay ist, wenn du Tag und Nacht kein Auge zumachen kannst, weil du Angst hast. Dann weiß ich, dass es okay ist, dass es ''normal'' ist, weil ''man über alles hinwegkommt''. 

Und wenn ich mein Leben in die Hand nehme und erfolgreich werde, werde ich für immer wissen, dass schlechte Menschen mit allem durchkommen, dass schlechte Zeiten nur ein paar Jahre andauern - und dann ist es okay.

Und ich bin die Dumme, die dann noch alles verarbeiten muss. Aber das ist ja auch okay, weil ''irgendwann kommt man schon darüber hinweg''. 

Ich befinde mich im Zwiespalt. Ich will vergessen - aber ich will nicht in dem Sinne vergessen, dass ich es verarbeiten will, denn verarbeiten hieße für mich, dass ich akzeptiere, was passiert ist. Und das tue ich nicht. 
Ich will vergessen, sodass ich in der Illusion leben kann, dass es nie passiert ist. Ich will, dass es nie geschehen ist. Ich will mein ganzes Leben nochmal führen, ein normales, und ich will, dass man mir im Jugendalter nie weh getan hätte. Aber das hat man. Jahrelang. Und das kann ich nicht vergessen. Und damit leben kann ich auch nicht. Außer ich schlucke noch einige Zeit lang Medikamente, um in der Illusion zu leben, dass ''das schon irgendwie wird''. Und ich weiß, dass ich das nicht tun werde. Ich weiß, dass es nicht wird. Ich weiß, dass mein Leben eines jener ist, die zum Scheitern verurteilt sind. Denn ich werde lieber sterben als zu akzeptieren. 






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