17 September 2016

Es ist, als würde man in einer leblosen Hülle hausen.
Dort drüben in der Ecke liegt nur noch ein lebloser Körper,
der seine Arme und Beine bewegt, der rein und rausgeht,
der Beschaffungen erledigt und den Mund zu 
seltsamen, fragwürdigen Sätzen formt,
die letztendlich genauso wertlos sind
wie der eigene Körper selbst.
Ein lebloser Körper, der an sinnlosen Veranstaltungen teilnimmt
und tagtäglich in einem fremden Bett in fremden Wänden weilt.
Es ist, als hätte einen die eigene Seele schon längst verlassen.
Als hätte sie gesagt
bye bye du Nutte
ich hab kein Bock mehr mir das anzutun
du bist es mir nicht wert
dass ich meine Energie für dich verschwende
wenn du mich nur weg schiebst.
Es ist, als hätte die eigene Seele einen aufgegeben,
als wäre man selbst der eigenen Seele zu viel.
Als wäre man innerlich tot
und was zurückbleibt ist nur noch ein 
hässlicher Körper, der mit sich selbst nichts mehr anzufangen weiß,
der überfordert ist mit dem eigenen Sein,
ein hässlicher Körper,
der zu dumm ist, um sich auf die Suche nach der Seele zu begeben.
Ein hässlicher Körper,
der sich selbst aufgibt.
Tot ist man erst nach einer gewissen Zeit,
aber wie könnte der Teufel es sich entgehen lassen und das alles schnell beenden? 
Man stirbt langsam, Stück für Stück, 
spürend,
wie die ganzen anderen Hüllen voller Leben einen von innen auffressen 
und regelrecht
vernichten
und in den Suizid treiben.
Es ist, als wäre man schon gestorben, innerlich.
Denn Suizid beinhaltet nicht den eigentlichen Tod.
Die eigene Seele hat einen schon lange vor dem eigentlichen Suizid verlassen.
Man verdonnert nur noch seinen leblosen Körper unter die Erde.
Leblos ist man schon lange bevor man es zu Ende bringt
und auch noch die restlichen leblosen Reste in Asche verwandelt.
Es ist, als wäre es nur noch eine Frage der Zeit,
bis der eigene Körper von selbst auf die Idee kommt,
sich selbst zu vernichten,
bis der hässliche Körper irgendwann nur noch aus 
Knochen besteht
und man zu einem Skelett wird.
Ohne Herz.
Ohne Seele. Ohne Augen und ohne jegliche Körperteile.
Man lässt nur noch die eigenen Knochen zurück, 
alles andere fressen die Viecher, die sich aber nicht 
willkürlich auf einen stürzen, weil sie nicht wissen können, 
was überhaupt los ist.
Aber als eine Seele noch existierte
und ums 
Überleben kämpfte,
stürzten sich auch die Viecher mit vier Beinen und vier Armen,
mit zwei Paar Augen, zwei paar Ohren und einem Gehirn
willkürlich auf einen.
Wissend,
dass ihr Handeln einen auffressen wird.
Und die armen kleinen Viecher, die sich am Fleisch des Toten vergreifen,
wissen überhaupt nichts.

Und dann ist man weg. 
Man ist nur noch ein Haufen Knochen, weil alles andere weg ist. Und dann kann man 
schreien.
Dann kann man sich die Seele aus dem Leib schreien
oder zu Gott beten,
dann kann man den Himmel anflehen 
und mit den Sternen reden,
dieser Körper war mal.
Dieser Mensch war mal.
Und er wird
niemals wieder 
zurückkommen. 
Egal, wie sehr man sich das wünscht,
egal wie oft man eine Sternschnuppe sieht oder Geburtstag hat.
Der Wunsch,
diesen Menschen wieder zu beleben,
wird niemals in Erfüllung gehen.
Man trauert um ein paar Knochen,
einem Schädel. Man trauert,
dass das Herz aufgehört hat zu schlagen
und 
einfach weg ist.
Zerfressen von Viechern,
während es lebend von Menschen zerfressen wurde
oder auch einfach nur genug von sich selbst hatte? 
Es ist, als würde das Herz immer langsamer schlagen,
immer unregelmäßiger,
als sei es einfach nur noch 
müde und erschöpft,
denn die Seele gab dem Herzen Kraft und Lebensmut,
und dann hat sie es verlassen,
nicht von heute auf morgen.
Sie hat lange genug ertragen müssen,
durch die Wohnung geschleudert zu werden,
angefasst zu werden, Lügen und nichts als Lügen ertragen zu müssen,
sie hat lange genug
Leid über sich ergehen lassen.
Aber dann kommt ein Augenblick,
da ist die Seele nicht mehr bereit, für einen zu sorgen.
Dann sucht sie sich jemand anderen.
Weil sie einfach nicht mehr kann.
Sie
kann
einfach
nicht
mehr.
Und verlässt einen. 

Man wird vom Leben aufgefressen.

Weil die Seele sich gegen einen entschieden hat,
weil man sich selbst gegen die Seele entschieden hat
und die Seele verschwunden ist
und man nur noch darauf wartet
den relativ sinnlosen Abgang hinter sich zu bringen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen