Ich komme und gehe.
In so vielen anderen Welten.
Komme ich vor und verblasse mit der Zeit.
Ich stelle mir oft die Frage, wer ich heute wäre, wenn ich anders und woanders aufgewachsen wäre, ob ich dann dieselben Menschen auf dieselbe Art und Weise kennengelernt hätte und ob ich dann mit denselben Gedanken in den Spiegel blicken würde, mit welchen ich es heute manchmal tue. Ob meine Weltansicht dieselbe sein würde oder ob ich mir selbst fremd gewesen wäre, ohne es selbst zu merken.
Meine Person ist eine einzige Zusammensetzung meiner Erfahrungen, Erlebnissen und den daraus resultierenden Erinnerungen. Ich frage mich, ob ich mich an bestimmte Dinge nur erinnere, weil ich mich erinnere will und ob ich tatsächlich vergesse und verdränge, weil ich das möchte oder weil ich es einfach tue, grundlos.
Meine Gene spielen natürlich auch eine Rolle, doch in erster Linie denke ich an meine Umwelt.
Würde mir dieselbe Musik gefallen, würde ich in bestimmten Liedern dasselbe spüren und fühlen oder hätte ich eine absolut andere Wahrnehmung der Realität. Fragen über Fragen, die mir nicht egal sind und die mir niemals egal sein werden, vielleicht denke ich auch gerne darüber nach, weil ich gerne spekuliere und dann frage ich mich, wenn alles anders gelaufen wäre, ob ich dann auch gerne spekuliert hätte.
Oft habe ich nette, liebe Worte gehört, die man zu mir gesagt hat. Dass ich eine gute Freundin sei oder dass man mir dankbar für bestimmte Dinge sei. Viel zu oft fühlte ich mich schlecht, weil ich dachte, ich würde für all das Schlechte, was ich durchlebt habe, auch noch gelobt werden. Weil es im Endeffekt egal ist, was ich erlebt habe oder was ich denke: solange ich als eigenständige Person gut einer anderen Person gegenüber bin, spielt es keine Rolle, wer ich zu sein vermag und wer nicht. Es hat mir weh getan, Komplimente zu hören, weil ich nicht damit umgehen konnte. Stattdessen erfreute ich mich regelrecht über negative Kritik und Streitereien, weil ich wusste: Es kann nicht schlimmer werden, ich kann nicht tiefer sinken, außerdem ist das meine Welt und hier kenne ich mich aus. Ich kenne die Regeln und die Gesetze dieser Welt. Als wäre da Etwas in mir, was mich steuerte, weil ich nicht ich war. Vielleicht ist das auch meine Entschuldigung, Ausrede für all das gewesen, womit ich anderen Menschen geschadet habe, doch letztendlich kann ich mir die Frage, ob ich oder ich es gewesen bin, nicht wirklich beantworten, weil ich mir keine vernünftige Frage stellen kann, vielleicht auch, weil es einfach keine gibt.
Gedankenlose Gewohnheiten habe ich meinen Text genannt, weil es zur Gewohnheit geworden ist, dass ich darüber nachdenke, wer ich bin und wer ich sein könnte, wenn alles anders gewesen wäre. Weil ich oft darüber nachdenke, was ich hätte anders machen können.
Weil viel zu viele Dinge zur Gewohnheit geworden sind. Irgendwann gehören sie schlichtweg dazu und man denkt gar nicht mehr darüber nach, aus welchem Grund man ursprünglich etwas vorhatte.
Dann fühle ich mich dreckig, wenn ich mit Menschen in Kontakt komme, die noch nie von einer Welt wie meiner gehört haben. Dann fühle ich mich dreckig, weil ich weiß, dass es gar nicht so weit hätte kommen müssen. Oder war es schlicht und ergreifend mein Schicksal, dem ich ausgeliefert war?
Ich habe oft Vorstellungen von mir in einer Parallelwelt. Dass ich hier sitze und diesen Text niederschreibe, während mein anderes Ich im selben Augenblick entweder dasselbe oder etwas anderes tun würde.
Es ist nicht leicht für mich, Dinge, die zum Alltag gehören, einfach so zu meistern. Vielleicht stelle ich mich an, vielleicht übertreibe ich, vielleicht ist es aber einfach zur Gewohnheit geworden. ''Ich werde mich ändern'' - Kann ich mich überhaupt ändern, wenn ich zurückblicke? Liegt die Kunst im Anderssein und Verändern darin, dass man vergisst, wer man war und was einen ausmachte? ''Ich werde ein neuer Mensch'' - Warum wird es dann zur Gewohnheit, ständig ein neuer Mensch zu werden?Und will ich mich überhaupt ändern? Warum frage ich mich das?
Es ist nicht leicht für mich, Dinge, die zum Alltag gehören, einfach so zu meistern. Vielleicht stelle ich mich an, vielleicht übertreibe ich, vielleicht ist es aber einfach zur Gewohnheit geworden. ''Ich werde mich ändern'' - Kann ich mich überhaupt ändern, wenn ich zurückblicke? Liegt die Kunst im Anderssein und Verändern darin, dass man vergisst, wer man war und was einen ausmachte? ''Ich werde ein neuer Mensch'' - Warum wird es dann zur Gewohnheit, ständig ein neuer Mensch zu werden?
Dieser Text gehört mir nicht,
weil ich ihn geschrieben habe
und mich in diesen Worten
nicht wiedergefunden habe.
Es ist der Text einer Fremden,
die gedankenverloren das Erstbeste niedergeschrieben hat,
was ihr in den Sinn kam.
Aber mir gehört dieser Text nicht.
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