Ich erinnere mich an so viele Weihnachtsfeste, die gar keine Feste waren, sondern einfach nur einsam für mich. Ich war 14, als sich meine Eltern in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember gestritten haben. Er, total besoffen, schreit sie an. Ich bekomme alles mit. Die ganze Nacht lang. Am Morgen des 24. finde ich unter dem Weihnachtsbaum keine einzigen Geschenke für mich, nicht mal eins. Und ich habe mir Wochen vorher schon Gedanken gemacht, was ich den beiden zu Weihnachten schenken werde. Am Morgen also wache ich auf, total verstört, und lege meine Geschenke dennoch unter den leeren Weihnachtsbaum. Wer weiß, vielleicht wollte man mich ja auch nur verarschen und in Wahrheit bekomme ich meine Geschenke später? Ich lege also diese Geschenke unter den Weihnachtsbaum und verkrieche mich wieder in mein Zimmer. Mein Vater schläft bis 18 Uhr, meine Mutter bittet mich, mit ihr zu essen. Das tue ich. Ich stopfe das Essen in mich und weine, weil ich so traurig über meine Situation bin. Es passiert nicht viel an dem Abend. Im Internet sehe ich, dass andere Familien total entspannt und fröhlich Weihnachten feiern, ich aber nicht. Meine Mutter und ich betreten das Wohnzimmer und mein Vater ist wach. Er freut sich, dass Geschenke für ihn unter dem Weihnachtsbaum sind. Beide fangen an, ihre Geschenke auszupacken und ich gucke ihnen dabei zu, während ich leer ausgehe. Meine Mutter weint währenddessen, und sie sagt mir tausend Mal, wie leid es ihr tut, aber sie hatte keine Zeit. Das glaube ich ihr auch. Mein Vater stattdessen hat es einfach vergessen, so wie viele meiner Geburtstage zum Beispiel auch. Es ist irgendwie ein Trauerspiel. Noch am selben Abend bekomme ich 50 € als Entschädigung. Aber 50 € sind nicht genug für all die Qualen, die ich bis dahin erlitten habe. Ich bin traurig. Das Geld will ich gar nicht.
Heute ist es anders. Heute ist es entspannter, ruhiger. Es gibt keinen alkoholkranken Vater, der mir meinen liebsten Tag im Jahr kaputt machen kann. Trotzdem ist es noch komisch. Ungewohnt. Aber besser. Viel, viel besser. Und ruhiger. Ich genieße die Ruhe. Trotzdem wütet manchmal noch ein Sturm in mir.
Das ist in manchen Momenten schwer zu ertragen, egal wie weit weg sie schon sein mögen. Ich wünsche dir trotzdem eine schöne Weihnachten und hoffe du findest ihn noch, diesem kleinen Weihnachtsmoment - auch ohne Schnee.
AntwortenLöschenAlles Liebe
Yui