02 Januar 2016

Ich hasse euch

Euch. Männer.
Einige von euch, manche von euch.

Ich hasse es, dass ich, wenn ich durch die Stadt gehe, von so vielen Männern angegafft werde. Dass fremde, alte Männer mir beim Vorbeigehen auf türkisch ''Sehr hübsch'' hinterherrufen, dass mir hinterher gepfiffen wird, dass ich abends in der Bahn immer noch Panik schiebe und hoffe, dass ich so schnell wie möglich zu Hause ankomme. Dass mir der Gedanke ins Hirn schießt: hoffentlich komme ich überhaupt nach Hause.
Dass ich beim Weggehen trotzdem aufpasse, nicht ''zu'' kurze Sachen anzuziehen, weil ich die Reaktionen schon kenne - aber auch das Wissen, dass es nicht nur bei Worten bleibt.
Verwirrt? Falsch verstanden? Mit Sicherheit nicht.
Ich hasse den Mann, der mich am Bahnhof, und es waren verdammt viele Menschen dort, beim Vorbeigehen noch schnell am Bauch berührt hat. Es ist mir scheißegal, ob er besoffen, bekifft oder einfach nur gestört war, oder ob er nüchtern war, das ist mir egal, denn das gibt niemandem das Recht, mich anzufassen.
Und ich hasse den Typen, der mich an der Schulter berührt und festgehalten hat, weil er ''mit mir reden wollte'', obwohl ich ihn gar nicht kannte, aber ich habe die Gier in seinen Augen gesehen. Dass er am liebsten wie ein Tier über mich herfallen würde. Dass er seinen Schwanz am liebsten direkt am Bahnhof in mich gesteckt hätte. Und ich hasse es, dass er mich nach mehrmaligem Daraufhinweisen, dass er mich in Ruhe lassen soll, trotzdem zu nah an mich gekommen ist. Und dass ich diejenige war, die schnell in die Bahn gestiegen ist, um mich vor solchen triebgesteuerten Missgeburten zu schützen - und es waren so viele Menschen am Bahnhof. Um 21 Uhr. 
Ist man schon so weit? Dass man, eigentlich egal zu welcher Tageszeit, aber vor allem egal wie viele Menschen um einen herumstehen, fremde Menschen anfasst, obwohl man ihnen mit einem klaren NEIN mehr als deutlich gibt, dass man in Ruhe gelassen werden will? 
Warum bin ICH diejenige, die sich Gedanken darüber macht, dass sie lieber etwas anderes anzieht, weil es sonst zu viele Blicke auf mich ziehen würde? Warum muss ICH aufpassen, dass mir nichts passiert, obwohl niemand das Recht hat, mich anzufassen?
Sex.
Ein Grundbedürfnis.
Welches dennoch niemandem, verdammte Scheiße, niemandem das Recht gibt, mir an die Brüste zu packen oder an den Bauch oder mich festzuhalten, weil man mir im Vollsuff die Worte ''Wollen wir ficken'' ins Gesicht haucht.
Nein.
Wir wollen nicht ficken.
Und ich hasse euch so sehr. Ich habe so einen tiefgründigen Hass euch gegenüber.
Und es gibt euch. Ihr existiert. Ich bilde mir die Scheiße nicht ein.
Ich bilde mir nicht ein, dass ich bis zum geht nicht mehr sexualisiert werde.
Es gibt euch on mass. Haufenweise. Massenweise. Tausende, vielleicht sogar Millionen.
Und ich kann nichts gegen euch tun.
Außer immer noch zu flüchten, wenn ich solche Dinge bemerke. Aber wieso muss ICH mir Gedanken machen, dass ICH flüchten muss? 
Und wieso fühle ich mich nicht mehr sicher, wenn ich in die Stadt gehe?

Und selbst im Bus sehe ich diese sabbernden Gesichter, die gerade wahrscheinlich das geilste Kopfkino überhaupt durchleben, aber müsst ihr mich unbedingt daran teilhaben lassen?
Muss ein Typ wirklich in der Bahn seinen Schwanz rausholen und mich zu seiner Wichsvorlage machen? Oder mich verfolgen, wenn ich den Platz in der Bahn wechsle?

''Das passiert schon mal. Das sind Idioten.''

Ja, das passiert. Ja, es sind Idioten. Ja, das weiß ich auch.
Aber tagtäglich passieren solche Dinge, mal mir mehr, mal weniger.
Aber sie passieren.

Und trotzdem ziehe ich mich so unauffällig wie möglich an - oder versuche, wenn möglich, nicht alleine nach Hause zu fahren. Weil solche Trieb getriebenen Tiere, die nichts lieber tun würden als mir ihren Schwanz ins Gesicht zu schleudern überall sind. Und ich mich nicht mehr sicher fühle, wenn ich alleine in der Bahn fahre - Und das selbst am hellen Tage. Ich hasse euch.

1 Kommentar:

  1. Ich finde so was wie du wiederlich, vor allem wenn es bei normalem Hinterherpfeifen nicht bleibt. Als ich jetzt vor drei Wochen mit einer Freundin auf Cuba war - die ganz Zeit wurde einem Hinterhergepfiffen und man wurde angeschmarrt egal ob auf englisch oder spanisch und vor allem angestarrt, so als wollen se einen direkt auf der Straße ausziehen. Nicht alle, aber die meisten. Das fand ich auch so abartig wiederlich. Wirklich. So ist mir das in Lateinamerika noch nicht passiert, auch wenn dieses Hinterherpfeifen oft passiert und Kommentare, etc. - aber Cuba war schon ne Nummer für sich!
    Eigentlich traurig, wenn man so drübner nachdenkt...v.a. dass immer die Frau es ist, die überlegt, was sie tun kann nicht in solche Situationen zu kommen und die Männer, die reflektieren ihr Verhalten noch nichtmal sondern sehen es als total normal und ihr Recht an. Cabrones!
    Abrazos
    María

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